Diskussion zum Schnapsbrennen



Startseite
Destille und Zubehör
   Produktliste
   Produktbeschreibung
   Bestellformular
   Info zum Kesselkauf
Seminar
   Termine
   Programm
   Anmeldeformular
Bücher
Fachfragen
Rezepte
Fotogalerie
Berechnungen
   Verdünnen
   Mischen
   Zucker Alkohol
Links
Kontakt
PRAXISBUCH
Schnapsbrennen als Hobby
PRAXISBUCH
Ätherische Öle selbst herstellen
PRAXISBUCH
Essig herstellen als Hobby
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Erste Brennversuche – Offenen Fragen.
von: aragones am 16.Apr.2017 18:46:56
Region: Wolfsgrund

Hallo Gemeinde,
Nun bin ich endlich dazu gekommen erste eigene Gehversuche zu unternehmen.
Anlage:
- 5 Liter Kessel. 22 mm Steigrohr ca. 15 cm lang,
- Liebigkühler 15mm innen Durchmesser, 22mm außen, ca. 40 cm lang
- Digitales Dampfthermometer am höchsten Punkt (abgeglichen 98,5 Grad bei Wasserdampf was bei ca. 500 üNN ok sein dürfte)
- Heizung Elektroherdplatte Leistung unbekannt.
- Kühlwasser über Pumpe aus Zisterne.
Maische:
- Zuckermaische 8 liter mit 2,5 Kg Zucker und Prestige Turbohefe mini.
- Alkoholgehalt ca. 21-25 % je nach dem welchen meiner beiden Vinometer ich mehr Glauben schenke.
- Gärung bei ca. 18 Grad .. angesetzt vor ca. 4 Monaten.
Nachdem ich die Anlage ca. 20 min zum reinigen und Thermometer Abgleich mit Wasser betrieben hatte konnte es los gehen.
Gefahren wurden 2 Durchläufe mit wobei beide einen ähnlichem Verlauf hatten.
Langsames aufheizen auf niedrigster Heizstufe … ca. 30 Min bis ca. 35 Dampf/ 70 Grad Maisch Temperatur im Kessen dann Kühlung an.
In den nächsten 10 min Anstieg auf 78 Grad Dampf mit fiebriger Erwartung auf die Vorlaufabtrennung bei ca. 80- 81 Grad.
Leider wurde das mit der Temperatur gesteuerten Abtrennung nix denn die Temperatur schoss innerhalb von 2 ..3 min durch von 78 bis ca. 85 Grad bevor Sie sich beruhigte und mit sehr flachem Gradient weiter Anstieg.
Das bis hierher angefallen Destillat (ca. 15-20 ml) hab ich mal als „ Vorlauf“ abgetrennt und mit dem Mittelauf begonnen, Vorlauf roch aber weder nach Kleber noch sonst wie auffällig unangenehm.
Der weitere Temperaturanstieg verlief gemächlich und nach ca. 10 min bei ca. 86 Grad hatte ich ca. 100 ml Destillat mit 75%. ( nach TXY – Diagramm plausibel)
Bis zur empfohlenen 91 Gradschwelle zum Nachlaufabtrennen dauerte es dann fast eine Stunde und ich hatte bis dahin ca. 550 ml mit 67 %. Das erscheint mir auch soweit plausibel , Mengen mäßig hätte ich mir hier jedoch mehr erwartet.
Einigen Empfehlungen aus dem Forum folgend habe ich den Nachlauf fraktioniert.
Wobei ich hier nach F1 die Heizplatte auf hoch auf 2 gestellt hatte ( meine Geduld ließ nach) was sich dann in einer schnelleren Tropf-Geschwindigkeit bis hin durchgängigen zum bemerkbar machte.

F1: 100 ml 50% 91-93 Grad
F2: 100 ml 45 % 93-94 Grad
F3: 100 ml 38 % 94-95.5 Grad
F4 : ca 130 ml 30 % bis ca. 96.5 Grad
Kühlwasserstrom war ausreichend stark. Zwischen Kühlereingang und Kühlerausgang war subjektiv beim Anfassen keine erkennbaren Temperaturunterschied festzustellen.
Da ich kein allzu gutes Näschen (Geruchsinn) habe muss ich mit der sensorischen Beurteilung der Fraktionen warten bis ich hier wieder auf Assistenz mit gutem Näschen zurückgreifen kann.

Nun aber meine Fragen.
a) Ist das „Durchschießen“ durch die magischen 80 Grad ein bekanntes Phänomen? Wie kann dem entgegengewirkt werden? Noch weniger Heizleistung im Hochlauf ?
Ich gehe davon aus das das Thermometer richtig sitzt und stimmt ( Abgleich mit Wasserdampf und der weitere Temperatur und % Gehalt erscheinen mir, mit Blick auf die „Brennlinse“, plausibel.
b) Nachdem kein definierter Vorlauf abgetrennt werden konnte ist der Mittellauf verwendbar bzw. bedenkenlos genießbar? Oder sollte alles zusammen noch mal gebrannt werden?
c) Ist die „ Mittellauf- Menge“ so ok – Im Verhältnis zum Nachlauf kommt mit das etwas wenig vor.(laut Schmickl ca. 1/3 der Gesamtmenge)
d) Welche der Fraktionen würdet ihr ggf. noch zum Mittelauf dazuschlagen, abhängig von der sensorischen Bewertung?
e) Bis zu welcher Temperatur ist das „ Runterbrennen“ denn sinnvoll. Ist die Verwendung der Fraktionen F3 unf F4 (Zuführung zum nächsten Brand oder sammlen als „ Raubrand“ für einen späteren 2. Brand als Neutralbrand sinnvoll bzw. empfehlenswert?
f) Oder Würdet ihr F 3 oder F4 ungesehen verwerfen)?
Besten Danke für Eure Ratschläge und Frohe Ostern noch !
Antwort schreiben

    
 RE: Erste Brennversuche – Offenen Fragen.
von: der wo am 17.Apr.2017 21:22:35
Region: da wer

Mehr als 18.5% sind mit diesem Zuckergehalt nicht möglich. Hast du mal gekostet? Hat die Maische sauer geschmeckt vor dem Brennen?
Die 98.5°C bei Wasserdampf berücksichtigend klingen deine Werte bei Alkoholdampf korrekt.
Und die Gesamtmenge an Alkohol klingt halt so nach maximal 18% im Kessel.

Eine neue Destille sollte man einmal mit 1:1 verdünntem Essig laufen lassen. Und den ersten Lauf mit Alkohol nicht trinken, sondern nur für Reinigungszwecke oder weitere Reinigungsbrände aufbewahren.

Wenn sich das Wasser nicht erwärmt, kannst du ja nächstes mal probiern, mit weniger Wasser auszukommen.

zu a) Das ist normal. Je mehr % im Kessel, bei desto niedrigeren °C beruhigt sich dann der Temperaturanstieg. Mit weniger Heizleistung kannst du das nur minimal und eigentlich nur anfangs beeinflussen. Versuch einfach den Vorlauf möglichst langsam abzuziehen. Vielleicht kurz bevor es losgeht die Platte kurz ganz aus machen.
Aufheizen hättest du anfangs aber schneller können.

zu b, c) Aber du hast doch Vorlauf abgetrennt? Daher ist es bedenkenlos. Aber vielleicht solltest du trotzdem alles zusammenschütten, auf 40% verdünnen und nochmal brennen. Wird dann sauberer und auch mehr Mittellauf.
Es soll Neutralalkohol werden. Was ok ist, hängt davon ab, wie neutral es sein muss.

zu d, e, f) Wahrscheinlich keine wenn du es beim Einmalbrennen belassen willst. Generell ruhig bis 10% runterbrennen und sammeln. Früher oder später kannst du diesen Nachlauf dann zusammen mit anderem nochmal brennen und den Alk pöapö mit in den Mittellauf ziehen.

Aber wie gesagt, zumindest der erste der beiden Läufe war eigentlich Reinigung und sollte weder getrunken noch als vielleicht trinkbar aufbereitet werden.
Antwort schreiben

        
 RE: Erste Brennversuche – Offenen Fragen.
von: aragones am 18.Apr.2017 13:19:47
Region: wolfsgrund

Hallo Wo,
zunächst besten Dank für Deine Rückmeldung und Deine Mühen auf meine Fragen einzugehen.
Hallo auch an alle Andern,
Alkoholgehalt und Ausbeute. Kann auch etwas Mehr Zucker gewesen sein. Glaube habe 3 Kg Zuckeraufgelöst und dann auf 8 Liter aufgefüllt. Ist aber eigentlich egal ….
Ja die Maische schmeckt leicht sauer aber eher so Kohlensäure mäßig und nicht unangenehm.
Wasser … der Kühlkreislauf ist geschlossen und an die Zisterne mit ca. 6000 l angeschlossen mit der vorhandenen Garten Pumpe ohne Reduzierung/Drosselung ( Ausser dem Kühler). Somit ist der Wasserverbrauch nebensächlich da er ja nix verloren geht. Strombedarf der Pumpe ist auch egal ob ich den Wasserstrom drossele oder nicht.
Interessant wird es erst wenn ich mit beschränkter Wassermenge und geringen (geodätischem) Vordruck arbeiten muss. Bis dahin macht mir das Wasserdarf noch keine Sorgen.
Den Tipp mit der 1:1 Essig Mischung werde ich mir für die nächste Anlage hinter die Ohren schreiben. Hatte die Rohre aber akribisch mit Spülmittel und Flaschenbürste etc. und von Flussmittel etc . geschrubt und gespühlt. Der Kessel – der Sikomatic war in der Spülmaschine. Dennoch habe ich meiner Intuition folgend Gestern schon) den ersten Brand zusammengeschüttet und zur Seite gestellt. (Bis auf die 2…3 Stamperl die zum probieren und befriedigen der Neugier über das erste Ergebnis verkostet werden mussten) werde diesen nun auf „ Wo´s“ Rat hin offiziell als Reinigungsmittel deklarieren.
Vorlauf… ja habe ich abgetrennt.. was halt so am Anfang rauskam .. hatte aber keine Auffälligen Gerüche etc.
Neutralalkohol und Verwendung…
Bislang dient das Ganze nur zum lernen … die ersten Brände habe ich zum „ probieren und kosten“ vorgesehen bzw. zum weiteren verarbeiten für Ansatz oder Geist.
Werde die Nachlauffraktionen mal alle sammeln und später noch mal Brennen. Da geht nix verloren und es ist egal wo genau die Abtrennung beginnt. ( zumindest solange es noch Zuckermaische ohne eigene Aromen ist)
Obst steht erst nach diesem Herbst auf dem Programm falls der aktuelle Wintereinbruch ausreichend Ernte übrig lässt.
Danke für den Hinweis mit dem runter brennen bis ca. 10 % war auch so meine Strategie. ( no nix verkomme losse.) Werde alles Sammeln und dann nochmal brennen oder einem der nächsten Brände dazu geben.
Mittelfristig will ich ja auch das refluxen probieren … dann können die gesammelten Werke dann hier weiter gereinigt und verwendet werden.
Bis dahin werde ich mal als Mittelläufe nur bis ca. 91 Grad / 55% in der Vorlage verwenden

Durchschießen / Temperaturanstieg
Hatte mir das schon gedacht! Wenn ich die Brennlinse so getrachtet ist es eigentlich klar .. je weniger Alkoholgehalt um so grösser der Beginn der Siedetemperatur .. hatte mich eh schon gewundert wie bei niedrigprozentigen Maischen bei ca. 80° C Vorlauf kommen kann oder auch Nachlauf bei 91° C abgetrennt werden kann wenn die Siedetemperatur deutlich höher liegt? Mal abgesehen von ein paar “ Flüchtlingen“ denen es vor der Siedepunkt gelingt sich loszueisen…
Gestern habe ich den nächsten Brand gefahren …. Nachdem ich noch einen Thermometern den Kessel verpflanzt habe!
Neu/ andere Maische (in der Summe 25 Liter mit ca.. 8..9 kg Zucker und Alcotect 48 Turbohefe) auch vor ca. 3 Monate angesetzt bei ca. 18° C langsam Grad vergoren und nach Gärende weiter mir Gärspund kühl gelagert. Gemessene 21.. 25 % . Diesmal etwas mehr Volumen (ca. 5…6 l – habs- nicht genau gemessen ) im Kessel .
Nach 2 Stunden Aufheizen auf Stufe 1 hab ich dann zusätzlich bei ca. 65 ° C im Kessel immer mal wieder die Heizung ausgeschaltet bi s die Temperatur begann wieder niedriger zu werden.
So ist es mir gelungen den Bereich zwischen 75°C bis 85° C deutlich zu strecken und konnte hier ca. 20 ml Vorlauf abtrennen bevor das Dampfthermometer sich wieder bei ca. 85°c einpendelte.
Der Mittellauf bis ca. 91° C dauerte dann ca. 1 Stunde wobei ich die Heizleistung dann auch zwischen durch mal auf 2 Stellen konnte . Dann begann es schneller zu Tröpfeln bis hin zum Rinnen mit ca. 100 ml/ 10 min
Ausbeute waren dann ca. 1000 ml .. Abtrennung wieder bei ca.91 °C/ 55 %
Danach noch 5 weitere Fraktionen mit jeweils 100 ml mit Stufe 2..3 bis 97° C und ca. 20 % noch mal ca. 30 min…..
Geruchliche und geschmackliche Beurteilung der Fraktionen steht noch aus.
Die Beurteilung des 2 Brandes (Siehe oben) ergab das erst ab ca. F3 einen etwas anderen Geruch/ Note die aber auch nicht als “ Schlecht oder Unangenehm“ eingestuft werden kann.
Der auf ca. 45% mit Wasser verdünnte Mittelauf ca. 800 ml schmeckte nach dem Aufschäumen Einfach nur „ Neutral“ ohne Aufälligkeiten.
Lästiger / Störender Hefegeruch war keiner mehr feststellbar.

Fazit für mich :
- Arbeiten nur noch mit zusätzlich gemessener Kesseltemperatur
- Schnelles aufheizen bis ca. 50.. 60 ° C im Kessel…
- Ausschalten, beruhigen lassen und dann langsam - ggf. getaktet über die „ magischen „ 80° C fahren und Vorlauf abtrennen.
- Wenn sich Temp einpendelt / umsteigt auf langsamen Gradient, Heizung ggf hochfahren auf 2 bzw. abhängig von Tropfgewindigkeit nachregeln und in 100 ml Schritten Alkoholgehalt ausspindeln ( passt zu meinem 100ml Messglas und der zugehörigen Spindel .. Als Ersatz für eine Kontinuierlich arbeitende Vorlage
- Nachlauf bei ca. 91° C abtrennen … und runterbrennen in Fraktionen bis ca. 97 15 % … je nach Geduld und Tagesform….
- Mittelauf verdünnen und weiterverwenden oder ggf : Unverdünnt lagern bis zur Verwendung als Ansatzt etc…
- Nachläufe samlen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmal brennen.
Nachdem das alles nur Zuckermaische war ohne eigen Aromen sollten die Produkte für Ansatz oder fürs Geisten fürs erste ausreichend neutral sein.
Alles weiter wird der Versuch zeigen.

Antwort schreiben

            
 RE: Erste Brennversuche – Offenen Fragen.
von: der wo am 19.Apr.2017 10:40:37
Region: da wer

Wenn es 3kg Zucker gewesen sind, wird trotzdem nicht mehr Alkohol produziert. Die Hefe schafft das einfach nicht. "Leicht sauer ... nicht unangenehm" bedeutet zu süss. Also ist zumindest das überschüssige halbe kilo nicht vergärt worden.

Dasselbe mit der alcotec 48h. Mehr als 8kg reinzutun ist sinnlos. Auch hier wirst du nicht mehr als so 18.5% bekommen. Mehr ist eine Werbelüge. Und deine Vinometer sind für Wein gedacht, nicht für Brennmaische, sie funktionieren wenn überhaupt nur für eine typische Alkoholstärke und für einen typischen Restzuckergehalt von Wein aus Weintrauben.

Um die Neutralität zu beurteilen, ist ein Vergleich mit gekauftem Vodka oder Korn interessant.
Antwort schreiben

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Design und Implementierung:
Helge Schmickl