Fachfragen zum Schnapsbrennen



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    Eintrag Nr. 560:

    Sehr geehrter Herr Dr.Schmickl,
    ich habe mir vor 2 Jahren Tannenzapfen in Weingeist angesetzt und bis vergangene Woche darauf nicht mehr geachtet. Im Glas sehe ich nur mehr eine blass-rote Gelee artige Masse und die Flüssigkeit ist sehr gering, obwohl das Glas dicht abgeschlossen war. Wieso entsteht diese Masse und was kann ich jetzt damit anfangen? Noch einmal verdünnen?
    Bitte wieder einmal einen Ihrer guten Tips.
    Mit besten Dank und immer einen guten Geist im Glas
    RoPi


    RoPi, NÖ
    22.Mai.2003 22:11:01


      Da ist Ihnen anscheinend das Harz der Zapfen erstarrt. Das passiert, wenn der Zapfenanteil im Vergleich zur Alkoholmenge sehr groß ist. Sie können das Ganze verdünnen, natürlich. Am besten mit geschmacklosen Alkohol mit der selben Alkohol-Stärke. Schmeckt es sehr harzig? Wenn ja, dann die verdünnte Mischung destillieren. Versuchen Sie doch, die frischen grünen Tannen-Wipfel, die jetzt gerade wachsen, in Alkohol anzusetzen. Sie erhalten ein ausgezeichnetes Aroma.

    Eintrag Nr. 559:

    Hallo,
    ich habe drei Fragen.
    1. Hat jemand ein Rezept für Met?
    2. Kann man aus Met einen ordentlichen Schnaps brennen?
    3. Ich habe ein neues Eichenfass. Wie muss ich das vorbehandeln, um Apfelbrand darin einzulagern?
    Vielen Dank im voraus :)
    Gruß
    topas


    topas, D
    22.Mai.2003 15:59:48


      ad 1: 1 kg Honig in 2 Liter Wasser auflösen (Wasser zum Auflösen erhitzen, dann vor der Hefezugabe wieder abkühlen lassen), dann wie gewohnt mit Turbohefe vergären, Verflüssiger müssen Sie nicht mehr zugeben.
      ad 2: Ja. Für maximales Aroma sollte Gärtemperatur nicht über 19°C sein.
      ad 3: Das ist schwierig zu beantworten, weil es immer vom Hersteller abhängt, ob das Fass noch konditioniert werden muß. Am besten erkundigen Sie sich dort wo Sie das Fass erworben haben. Eine Möglichkeit wäre zuerst Rotwein darin zu lagern (ca. 1 Jahr) und dann erst den unverdünnten Apfelbrand einfüllen und wieder ein Jahr oder länger zu lagern (der Alkoholgehalt wird während einer Holzfasslagerung immer weniger). Den Brand dann nach der Fasslagerung verdünnen.

    Eintrag Nr. 558:

    Sehr geehrter Herr Schmickl,
    ich habe gleich drei Fragen:
    1. In Ihrem (übrigens hervorragenden)Buch schreiben Sie, dass die Geschwindigkeit des Ausflusses einer 2 Liter- Anlage schnelles tropfen sein sollte, aber keinensfalls rinnen soll. Wie verhält es sich bei der 5 Liter- Anlage?
    2. Außerdem schreiben Sie in Ihrem Buch, dass die Lagerung von Schnaps von schlechter Qualität nach > 1 Jahr die Aromen verlorengehen. Wie verhält es sich bei einem nach Ihrer Methode gebrannten Schnaps (aus Maische und mit der Geistmethode gebrannt)?
    3. Aus früheren Antworten konnte ich entnehmen, dass Sie Ihre Anlage nur mit Wasser und manchmal mit Brillo reinigen. Mit was reinigen Sie die Silikondichtung?
    Für die Beantwortung bedanke ich mich im Vorraus!
    Schönen Gruß
    Stefan


    Stefan, Bayern
    22.Mai.2003 15:06:45


      ad 1: Danke! Bei der 5 Liter Anlage kann das Destillat dünn (!!) herausrinnen, am Besten schnell tropfend, an der Grenze zum Rinnen.
      ad 2: Bei guten Schnäpsen, sowohl Maischen als auch Geist, die wie im Buch beschrieben hergestellt werden, haben Sie über die Jahre keinen Aromaverlust.
      ad 3: Ja genau. Die Silikondichtung herausnehmen, mit einem feuchten Tuch abwischen, fertig. Das sollten Sie übrigens nach jedem Brennvorgang machen, andernfalls kann es passieren, daß der Deckel auf Grund von Verunreinigungen, festklebt.

    Eintrag Nr. 557:

    Geehrter Herr Schmickl,
    Für mein Studium müsste ich folgende Begriffe geklärt haben:
    1. Probedestillation und 2. enzymatische Alkoholbestimmung; beides wird im Zusammenhang mit der Alkoholmessung gebracht!
    Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Sie mir beide Begriffe näher erläutern könnten.
    Vielen Dank
    M. Schwarz


    M. Schwarz, berlin
    22.Mai.2003 12:04:14


      ad 1: Hierbei wird eine Destillation in kleinem Maßstab durchgeführt (es gibt hierfür sogar eigene, genau genormte Geräte) um dabei die unterschiedlichsten Parameter und Eigenheiten der Maische zu prüfen.
      ad 2: Hierbei wird dem Alkohol ein Enzym zugegeben, das den Alkohol zu Acetaldehyd aufoxidiert, dadurch kommt es in der Lösung zu einer Farbänderung, diese wird mit einem Photometer gemessen.

    Eintrag Nr. 556:

    Hallo!!! ich würde gerne wissen wie ich den Gesamtsäuregehalt mittels Titration durch NaOH des Weines rechne. der Gesamtsäuregehalt wird als Weinsäure berechnet. was hat das auf sich mit der 2 protonigen Säure ?

    Nussel, Deutschland
    20.Mai.2003 13:37:45


      Um 1 mol Weinsäure zu neutralisieren sind 2 mol NaOH notwendig (weil die Säure, wie Sie bereits schreiben, 2 wertig ist).
      NaOH: 40,0 g/mol
      Weinsäure (C4H6O6): 150,1 g/mol
      Somit: 80,0 g NaOH neutralisieren 150,1 g Weinsäure.

    Eintrag Nr. 555:

    Hallo ich möchte mir eine Destillationsanlage aus einfachsten Mitteln selbstbauen, habe aber keine passende Beschreibung gefunden. Darum bitte ich sie um eine Zusendung einer leicht verständlichen Beschreibung.

    thomas, Steiermark
    19.Mai.2003 20:32:47


      Genaue Bauanleitungen bezüglich Destillationsanlagen mit einfachsten Mitteln finden Sie im neuen Buch Schnapsbrennen als Hobby. Einige Seiten unter "Links" enthalten ebenfalls Bauanleitungen.

    Eintrag Nr. 554:

    Sehr geehrter herr Schmickl,
    ich habe eine reflux-destille und dafür als brennkessel eine alte milckanne. der deckel der milchkanne ist leicht nach innen gewölbt, d.h. er ist genau das gegenteil eines doms.ist es notwendig die wölbung nach außen zu treiben, um ein besseres brennergebnis erziehlen zu können?
    können sie mir außerdem einen tip geben meinen deckel dicht mit der milchkanne zu verschließen?
    im voraus vielen Dank,

    SchobbeSchosch


    SchobbeSchosch, Ffm
    19.Mai.2003 16:42:05


      Wenn Sie auf den Deckel eine Refluxkolonne aufbauen, so ist der gewölbte Deckel egal. Sie können einen Silikonschlauch aufschneiden und auf die Kante geben (oder zur Not mit Sanitärsilikon verschmieren) und mit einen Spannring oder einer Klemme den Deckel befestigen.

    Eintrag Nr. 553:

    Hallo!
    Ich habe eine kleine Destillationsanlage und bin auf der Suche nach einer brauchbaren Bauanleitung für eine Refluxanlage.
    Gibt es hier jemanden, der so eine Anlage betreibt und mir eine detaillierte Beschreibung schicken könnte? Ist es sinnvoll und notwendig das Steigrohr mit Wasser zu kühlen, oder gibt es andere Alternativen? Wie ist es mit dem Druckanstieg im Kessel bei einer Füllung des Steigrohres mit Raschig-Ringen oder Edelstahlputzwolle?
    Vielen Dank für jeden Tip!
    Seppl


    Seppl, Kärnten
    19.Mai.2003 10:21:55


      Für Refluxanlagen kann ich Ihnen die homepage http://www.geocities.com/kiwi_distiller/ bestens empfehlen (siehe auch links), diese Seite geht sehr ins Detail.
      Das Steigrohr keinesfalls kühlen, es darf kein Energieaustausch mit der Umgebung stattfinden also heizen auch nicht, am besten gut isolieren.
      Edelstahlputzwolle keine Ahnung, der Herr Raschig (der Erfinder dieser Ringe) hat diese spezielle Form deswegen entwickelt, damit der Druckverlust der Kolonne und damit der Druckanstieg im Kessel so gering wie möglich ausfällt (zum Schnapsbrennen reichts auf alle Fälle).

    Eintrag Nr. 552:

    Ich besitze eine Umkehr-Osmose-Anlage. Kann ich dieses völlig demineralisierte Wasser zum Verdünnen verwenden? Ich habe alle 56 Seiten mit Interesse gelesen (ehrlich!), weiß aber jetzt nicht genau, ob die Auskunft über demineralisiertes Wasser aus dem Baumarkt auch auf dieses Wasser zutrifft. Herzliche Grüße von der Alm.

    Mandi, Alpen
    18.Mai.2003 18:48:57


      Demineralisiertes Wasser kann auf mehrere Arten hergestellt werden:
      1) Destillieren: die teuerste und energieaufwendigste Variante, allerdings ist das Wasser dann auch hochrein (nicht nur in Bezug auf Mineralien und Salze)
      2) Umkehr-Osmose: nicht so energieaufwendig wie 1), das Wasser ist danach so rein, daß es sogar für medizinische Zwecke eingesetzt werden kann
      3) Ionentauscher: Hier wurden nur die Salzionen entfernt, der Rest bleibt drin.
      Demineralisiertes Wasser aus dem Baumarkt wird in der Regel mit einem Ionentauscher hergestellt, weil dies die kostengünstigste Variante ist.
      Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, Wasser aus Umkehr-Osmosen-Anlagen eignet sich ausgezeichnet zum Verdünnen von Schnaps, das aus dem Ionentauscher reicht aber völlig aus.

    Eintrag Nr. 551:

    "Kristalle" im Brand.
    Hallo Herr Schmickl, ich habe ein eigenartiges Phänomen beobachtet. Im Brand von Maischen die ich mit Zucker angesetzt habe, und auch im Zuckerwasser-Brand sind bei mir nach einigen Tagen kristallartige Verunreinigungen aufgetaucht. Sehen ein bisschen aus wie Schneeflocken. Als Erklärung hätte ich folgendes:
    a) Es reißt Tröpfchen der Maische mit in den Kühler und der wenige nicht vergorene Zucker bildet im Schnaps Kristalle.
    b) Habe verzinkte Schrauben als Distanzhalter für den Anbrennschutz verwendet. Kann es sein, dass die Kristalle vom Zink stammen? Das wäre sehr schlecht. Zink soll ja nicht sehr gesund sein. Ich habe mir halt gedacht, dass die Verbindungen, die da durch den Zink entstehen nicht mit dem Dampf mitgehen können.
    Anders als a oder b kann ich es mir nicht erklären, da ich sonst an sich sauber gearbeitet habe. Sollte noch erwähnen, dass ich bei dieser Anlage auch schon einmal Birnen-Schwebstoffe im Brand hatte. Das war eine Maische mit wenig Flüssigkeit. Auch da muss irgendwie was in den Kühler hinübergegangen sein.


    Brenner, Ö
    18.Mai.2003 17:27:49


      ad 1: Mitgerissene Maischetropfen können eine (meist färbige) Trübung durch deren Feststoffe verursachen, der Zucker nicht, da dieser sich sofort auflöst. Es kommt allerdings nicht zu einer Kristallbildung, das Destillat wird einfach trüb und nimmt die Farbe der Maische an. Sie können dies einfach verhindern indem Sie nicht zu rasch aufheizen.
      ad 2: Zink ist nicht besonders gut gewählt, verwenden Sie lieber Edelstahlteile. Die Trübung dürfte allerdings nicht vom Zink stammen, da die meisten Verfärbungen durch Metallsalze färbig sind.
      Wie Sie richtig vermuten, können anorganische Salze nicht "mitgehen", weil sie nicht verdampfen. Es handelt sich daher wahrscheinlich um eine andere Ursache. Jedenfalls sollten Sie vor der nächsten Destillation Ihren Kühler gründlich reinigen, es könnte ja sein, daß sich im Inneren etwas ablöst, herausgespült wird o.ä. und unbedingt langsam aufheizen, sodaß sicher nichts übergehen kann.

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    Helge Schmickl