Fachfragen zum Schnapsbrennen



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    Eintrag Nr. 474:

    In einer Runde haben wir diskutiert , ob man nach Tagen des Gärungsbeginn noch Obst zusetzten kann . Bitte höflich um Ihre fachmännische Meinung und wie man vorgehen muß .
    Besten Dank im Voraus und an alle Leser immer einen guten Geist im Glas .


    Robert Pi, Österreich
    25.Jan.2003 09:53:20


      Solange die Gärung in Gang ist, können Sie problemlos frisches Obst zugeben. Einfach das Obst zerkleinern und in das Faß geben, gut umrühren. Zusätzliche Hefe ist keine mehr erfordlich, andere Zutaten wie Verflüssiger usw. müssen auf Grund der zugegebenen Obstmenge korrigiert werden.

    Eintrag Nr. 473:

    Hallo,

    ich habe eine 2,5 Jahre alte Zwetschgenmaische, duftet wunderbar und ist relativ stark.
    Der Überstand ist klar.
    Soll ich den klaren Überstand brennen oder alles nochmal aufmischen (im Bodensatz sind auch die Steine) ?
    Grüße,
    Jan


    Jan, Deutschland
    24.Jan.2003 14:58:12


      Rühren Sie vorher gut um, damit der Bodensatz auf jeden Fall mitgebrannt wird, denn dort ist ein großer Teil des Aromas drinnen. Von den Steinen geben Sie ca. 10% mit in den Brennkessel, erst diese ergeben den richtigen Slivovitz-Geschmack. Aber achten Sie darauf, daß die Kerne nicht beschädigt oder kaputt sind.

    Eintrag Nr. 472:

    Einen schönen Abend an die Runde ,
    ich bin ein interessierter Neueinsteiger , habe mich in Bücher "schlau gemacht" und mchte mir gerne eine Anlage selbst bauen . Kann mir bitte jemand einen Tip geben , wo ich eine Bauanleitung finden kann . Da ich im Mai den Kurs besuchen will , möchte ich schon ein wenig erfahrener sein als derzeit . Ich habe auch schon einen sogenannten Multitopf gelsen - währe vielleicht auch interessant . Kann man den Topf gleich so verwenden oder ist da ein Umbau nötig ? Was wird dazu noch benötigt und gibt es "dazu" auch Anleitungen im Internet zu finden ?
    Ich bedanke mich schon jetzt für die Hilfe und wünsche allen einen guten Geist im Glas .


    Robert Pi, Österreich
    23.Jan.2003 23:07:34


      Den Multitopf selbst müssen Sie noch umbauen. Der Topf entspricht nur dem Kessel. Sie brauchen eine Rohrverbindung vom Deckel zum Kühler sowie die Kühlung selbst, am einfachsten einen Spiralenkühler. Dann gehört natürlich noch ein Thermometer auf den Kesseldeckel (wenn kein Steigrohr folgt) oder am obersten Punkt des Steigrohres. Bezüglich Anlagenbau finden Sie hier bereits zahlreiche, zum Teil sehr detaillierte, Einträge. Homepages mit weiteren Hilfen und Bauanleitungen sind unter "Links" angeführt.

    Eintrag Nr. 471:

    Tach an alle schnapsbrenner. Ich habe zur wodka herstellung aktiv kohle in die zu brennende maische gegeben beim brenvorgang gingen starke schläge durch meine anlage (glas) und verursachten auf der heitz Platte regelrechte sprünge ist das normal oder habe ich etwas falsch gemacht ?

    Tibor, Deutschland
    22.Jan.2003 10:57:31


      Nein, das ist nicht normal! Sie haben wahrscheinlich feines Aktivkohlepulver verwendet. Bitte hantieren Sie damit sehr vorsichtig, bereits beim Zugeben der pulverförmigen Kohle kann es zu Staubexplosionen kommen, beim Erhitzen selbst passiert genau das, was Sie beschrieben haben. Deshalb ist es besser, spezielle granulierte Aktivkohle zur Geschmacksentfernung zu verwenden, dann kann das alles nicht passieren.

    Eintrag Nr. 470:

    Hallo und guten Abend.
    Wenn ich den Aromakorb in der 5 ltr. Brennanlage einsetze, wieviel Flüssigkeit kann ich dann noch einfüllen?
    Gruss und danke im voraus für die Beantwortung meiner Frage.


    Bernhard, Deutschland
    21.Jan.2003 22:58:01


      Wenn Sie den Aromakorb verwenden, d.h. mit den Messingfüßen, so ist immer darauf zu achten, daß die Früchte oder Kräuter im Korb nicht in der Flüssigkeit sind, d.h. Sie füllen exakt soviel ein, daß die Flüssigkeit gerade unter den Aromakorbboden reicht.

    Eintrag Nr. 469:

    Ist in der Schweiz das private Schnapsbrennen gesetzlich erlaubt?

    Schmid Heinz, Schweiz
    21.Jan.2003 06:48:29


      In der Schweiz gibt es nur eine Gruppe an Privatpersonen, die brenne dürfen: sog. "Hausbrenner", die Vorraussetzung ist eine eigenen Landwirtschaft. Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich gibt es kein gesetzlich festgesetztes Freivolumen der Kesselgröße für Private. Im Allgemeinen wird jedoch der Besitz von Anlagen bis 3 Liter Kesselvolumen toleriert.

    Eintrag Nr. 468:

    Hallo Herr Schmickl,
    Punkt 1:
    haben Sie Erfahrung mit dem Brennen von Mahonie (Mahonia aquifolium),
    "- Erscheinungsbild: Die Gemeine Mahonie ist ein bis zu 1,5 m hoher Strauch, der sparrig und z.T. auch ausladend wächst. Sie weist viele Kurztriebe auf, an welchen die Blüten und Früchte in großer Zahl angesetzt werden. Die Blätter sind immergrün, wechselständig und aus fünf bis neun Fiederblättern zusammengesetzt. Die einzelnen Fiederblätter sind ledrig, auf der Oberseite glänzend und mit einem unterschiedlich stark gebuchteten bzw. dornig gezähnten Blattrand versehen. Im Herbst verfärben sich die Blätter rötlich. Die Blüten sind klein, schwefelgelb bis orangegelb und zu aufrechten, knäuelartigen Trauben zusammengefaßt (Friedrich, Schuricht 1985), sie erscheinen von April bis Mai (Bundessortenamt 1999). Die Früchte stellen kugelige Beeren dar, welche in etwa erbsengroß, schwarzblau und hell bereift sind. Sie enthalten drei bis fünf Samen und werden von August bis September reif, wobei sie bis weit in den Winter hinein noch an den Zweigen fest haften bleiben. Sie beinhalten zwar wie die übrigen Pflanzenteile Alkaloide, jedoch nur in geringen Mengen bei einem Anteil von 0,05 %, weshalb sie als schwach giftig gelten. Dieser Stoff läßt sich durch Trocknung und Lagerung jedoch weitgehend beseitigen, wohingegen v.a. unreife Früchte nicht verzehrt werden sollten. Die wertvollen Inhaltsstoffe sind v.a. Zucker mit einem Gehalt von 9,8 g/100 ml, Fruchtsäuren mit einem solchen von 48,7 g/l und einige Vitamine, von denen v.a. Vitamin C reichlich enthalten ist (Friedrich, Schuricht 1985)."
    Wenn ja, kann man die in Anlagen vorkommenden Pflanzen / Früchte verwenden oder muß man auf bestimmte Sorten achten.
    Punkt 2:
    Ich habe einen sehr milden Sanddornbrand hergestellt, der mir eigentlich noch besser als Vogelbeerbrand gefällt. Frage hierzu besteht bei Sanddorn Verwechslungsgefahr mit Ziersträuchern (Feuerdorn, etc.)
    Vielen Dank im voraus und viele Grüße
    Ralf


    Ralf, Deutschland
    19.Jan.2003 21:13:21


      ad 1: Selbst habe ich mit diesen Früchten noch nicht gearbeitet. Letztes Jahr habe ich die Felsenbirne angesetzt (frisch, ohne Stengel), die eine ähnliche Beschreibung - schwach giftig, nicht unreif verzehren, usw. - hat, angesetzt (Standardverhältnis: Glas ein Drittel mit Früchten gefüllt, mit Alkohol bis Glas voll ist aufgegossen, ca. 8 Wochen ziehen lassen) und anschließend destilliert, ist hervorragend geworden. Ich könnte mir vorstellen, daß sich diese Vorgehensweise auch für diese Beeren eignet, die Frage ist dann natürlich, inwieweit ihr Aroma ansprechend ist. Aber einen Versuch ist es sicher wert. Sehr interessanter Beitrag!

      ad 2: Klar, daß ein guter Sanddornbrand besser als Vogelbeer schmeckt! Das ist eins der besten Tröpferln. Verwechslungsgefahr besteht nahezu bei allen Beeren. Wenn man sich nicht absolut sicher ist, was man pflückt, sollte man es nicht tun, denn einige Früchte sind äußerst giftig. Oder jemanden hinzuziehen der sich auskennt und die fraglichen Sträucher/Beeren VOR ORT begutachten kann. Mit mündlichen/schriftlichen Beschreibungen ist das immer so eine Sache...

    Eintrag Nr. 467:

    hallo herr dr. schmickl,

    gibt es erfahrungen mit kirschgeist? möchte es ungern ausprobieren, da meine kirschvorräte zuende gehen :-)


    andre bischoff, Deutschland
    19.Jan.2003 19:52:01


      Kirschen sind im Aroma sehr dezent, als Geist wäre es einen Versuche wert (ca. 200 bis 300 g in den Aromakorb, frisch oder gefroren). Da Sie aber nur noch wenig haben, würde ich nichts riskieren und diese in ca. 45%vol ansetzen: Ein Glas mit großer Öffnung zu einem Drittel bis Hälfte mit Kirschen füllen, mit Alkohol aufgießen bis Glas voll ist, mind. 5 bis 8 Wochen ziehen lassen. Danach direkt genießen (auch die Früchte!). Wenn Sie den Angesetzten brennen und die anges. Kirschen in den Aromakorn geben, ist das Aroma mit dem eines Kirschbrands (stammt aus einer Kirschmaische) nicht zu unterscheiden.

    Eintrag Nr. 466:

    ich mal wieder
    ich warte jetzt noch 3 wochen und dann werde ich den angesetzten noch einmal brennen(mit ca.300g himbeeren im aromakorb). vom geschmack her wird er sicherlich sehr gut sein,nur sehr stark.sollte ich dann verdünnen?leidet der geschmack nach dem verdünnen?wie verdünnen?wie in ihrem buch beschrieben?leidet dann der geschmack? sonst lass ich`s lieber.viele fragen ich will aber nicht dumm sterben``lächel´´.

    im vorraus vielen dank für ihre antwort
    (sehr gut und verständlich``für mich´´)

    Udo aus dem Sauerland

    und bis dann


    Udo, Deutschland
    18.Jan.2003 23:23:51


      Wenn Sie einen Angesetzten (ca.45 %vol) destillieren, so werden Sie danach ca. 70%vol Alkohol erhalten, verdünnen Sie unbedingt dann auf 43%vol herunter. Bei Schnäpsen über 48-50%vol kann man den Geschmack nur mehr schlecht wahrnehmen, die Geschmackspapillen auf der Zunge werden betäubt. Wäre doch schade um den guten Himbeergeschmack. Beim Verdünnen achten Sie darauf, daß das dest. Wasser unter Rühren zugegeben wird, ansonsten wird es trüb. Auch sollte Wasser und Destillat annähernd die gleiche Temperatur haben. Die notwendige Wassermenge können Sie mit der Formel, die im Buch angegeben ist, berechnen.
      Natürlich gibt es beim Brennen von Angesetzte prinzipiell zwei Möglichkeiten: Vor dem Brennen auf ca. 10%vol verdünnen (das Destillat hat dann ca. 45%vol) oder, wie beschrieben, nach dem Brennen verdünnen. Interessanterweise wird beim Vorher-Verdünnen das Aroma auch "verdünnt", während es beim Nacher-Verdünnen vollständig erhalten bleibt.

    Eintrag Nr. 465:

    Hallo Herr Dr. Schmickl,
    ich habe in letzter Zeit mehrfach eine Mirabellenmaische gebrannt. Das hat auch ganz gut geklappt, jedoch habe ich festgestellt, dass ich etwa ab 89-90 Grad Dampfthemperatur eine leichte Trübung im Destillat habe, die sich dann weiter verstärkt. Da aber bis etwa 92 Grad das Destillat noch recht gut schmeckt, würde ich es gerne zum Verdünnen nutzen, was aber durch die Trübung leider schlecht geht. Meine Fragen:
    Warum unbd woher kommt die Trübung bereits bei dieser Themperatur (es ist geschmacklich noch kein Nachlauf?
    Was kann ich tun, dass ich auch das Destillat noch nutzen kann?
    Danke für die Mühe und tschüs.


    Thomas, Deutschland
    18.Jan.2003 21:27:49


      Bei Steinfrüchten wie Zwetschken, Mirabellen usw. kommte es sehr oft vor, daß das Destillat - und zwar ohne Fehler - trüb wird. Daher ist diese Trübung auch nur ein unschöner optischer Effekt und hat auf den Geschmack des Destillates keinen negativen Einfluß. Sie können das Destillat mit zwei ineinandergesteckt Kaffeefiltern - dazwischen mit Watte auslegen - filtrieren (Destillat dazu vorher über Nacht in den Tiefkühlschrank geben), oft geht auf diese Art die Trübung weg. Sollte dies nichts nutzen: Alle Trübungen können mit unseren Spezialfiltern entfernt werden.
      Bemerkung am Rande: auch professionelle Großbrenner haben bei Ihren Destillaten immer wieder Trübungen, die mit Filtern entfernt werden (nur gibt das keiner so gerne zu).

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    Helge Schmickl