Fachfragen zum Schnapsbrennen



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    Eintrag Nr. 498:

    Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl!
    1.)Wie lange kann ein Rotwein, der geöffnet wurde, einen Tag offen war, und dann in Kanister gefüllt wurde, bei ca 0-5 Grad gelagert wurde, nach dem öffnen der Weinflaschen gebrannt werden?
    2.) Stimmt es, daß man einen solchen Wein nur einmal brennen muß und das es fast keinen Vor und Nachlauf gibt?
    Vielen Dank & Liebe Grüße
    Oliver


    Oliver K., NÖ
    05.Mär.2003 19:56:18


      ad 1: Sie können den Wein solange lagern und brennen, solange er noch trinkbar ist und keinen Essiggeschmack bzw. Schimmel aufweist. Meines Wissens nach könne Sie Wein doch einige Wochen lagern, besonders wenn er eher kühl plaziert ist, ohne daß etwas passiert.
      ad 2: Wenn der Wein mind. 11%vol hat, dann müssen Sie nur einmal brennen, hat er einen geringeren Alkoholgehalt, so kommen Sie im Destillat unter 40-43%vol, ein zweiter Brennvorgang ist also erforderlich. Weißwein, der im Handel erhältlich ist, hat keinen Vorlauf. Rotwein, der seine Farbe durch die Traubenschalen erhält, hat hingegen einen geringen Vorlaufanteil, d.h. beim Brennen sollten Sie eine Vorlaufabtrennung durchführen.

    Eintrag Nr. 497:

    Hallo H. Schmickl,

    Ihre Turbohefe habe ich genau nach Anleitung mit der passenden
    Menge Zucker (ohne Früchte) vergären lassen.Mir fällt auf das mein Endprodukt (85%)einen scharfen Geschmack aufweist und einen klebstoffartigen Geruch hat.
    Woran kann das liegen?
    Vielen Dank für Ihre Hilfe


    ge, deutschland
    02.Mär.2003 14:55:01


      Bevor Sie den 85%vol Alkohol auf Geschmack überprüfen, verdünnen Sie unbedingt eine kleine Probe. Der extrem hohe Alkoholgehalt sticht sehr scharf und der Geschmack und Geruch kann nicht wirklich beurteilt werden. Wenn Sie eine kleine Probe schätzungsweise auf ca. 45%vol verdünnt haben, so kosten und riechen Sie nochmals. Liegt der Klebergeruch immer noch vor, dann haben Sie Vorlauf produziert. Ursache hierfür kann nur ein fehlender Gärspund sein bzw. wenn in diesem während der Vergärung nicht regelmäßig das Wasser getauscht wurde. Es kann aber auch vorkommen, daß Fehlgärungen durch (geringe) Verunreinigungen des Gärgefäßes entstehen. Schärfe entsteht durch eine nicht ideale Abtrennung von Vorlauf bzw. Nachlauf.

    Eintrag Nr. 496:

    zu 493: die kolonne hat einen durchmesser von 28 mm (handelsübliches kupferrohr mit schraubverbindern) und eine gesamtlänge von 95 cm ohne kühler. als füllung benütze ich edelstahltopfreiniger. als kessel dient ein 10l topf mit einer 800 watt heizplatte mit magnetrührer. wenn ich nur etwa 80 %-vol anstrebe destilliere ich auch schon mal mit einem 30 l einwecktopf mit integrierter 2000 watt heizung auf vollgas ( dann aber ohne jeglichen rücklauf- dafür ist bei dieser leistung der durchmesser der kolonne zu klein ). bei dem kleinen kessel und höheren prozenten regle ich den rücklauf kontinuierlich so, daß die dampftemperatur möglichst konstant bei dem wert bleibt, der dem siedepunkt des gemisches entspricht, das ich anstrebe. (mehr als die 92-93 % sind aber bei der anlage nicht drin :-))) )

    thomas, bayern
    27.Feb.2003 15:12:42


      Danke für die Info zum Betrieb einer Rektifikations-, Reflux bzw. Rückflußkolonne!

    Eintrag Nr. 495:

    Hallo H. Schmickl,
    zu Eintrag 494
    heißt daß, es ist besser ich kaufe in der Apotheke 100% Alkohol und verdünne vor dem Ansetzen auf 50%?


    Fuchslocher Werner, Kärnten
    27.Feb.2003 13:28:30


      Ja, kaufen Sie 96%vol Alkohol und verdünnen Sie diesen 1:1 auf ca. 48%vol, das ist für Himbeeren auf alle Fälle besser.

    Eintrag Nr. 494:

    Hallo H.Schmickl,
    Wenn ich Himbeeren mit 38% Wodka ansetze, muß ich sie vor dem brennen mit destilliertem Wasser verdünnen oder den Geist erst nachher.
    1.Wie weit verdünne ich herunter.
    2.Messe ich den Angesetzten mit dem Alkoholmeter oder mit dem Vinometer.
    Vielen Dank für Ihren Tipp.


    Fuchslocher Werner, Kärnten
    27.Feb.2003 05:54:23


      38%vol Wodka geht zum Ansetzen gerade noch. Himbeeren sind sehr wässrig, daher wäre hier 50%vol Alkohol ideal. Verdünnen Sie vor dem Brennen den Ansatz auf keinen Fall, erst das Destillat wird auf ca. 43%vol verdünnt. Während des Verdünnens gut umrühren, ansonsten kann es zu Trübungen kommen.
      Das Vinometer kann nur bis ca. 23%vol messen, der Angesetzte ist daher viel zu stark. Wenn der Angesetzte ungezuckert ist, und die Früchte vorher abfiltriert werden (mit einem einfachen Kaffeefilter), dann können Sie für die Alkoholmessung das Aräometer verwenden. Allerdings ist in diesem Fall das Meßergebnis nur ein grober Schätzwert.

    Eintrag Nr. 493:

    zu 491: also erstens wollte ich sagen, daß es sehr gut geht, die säule mal zu benutzen und mal nicht.
    zu der temperatur: der sinn einer ruckflußanlage ist es doch, so hochprozentigen alkohol zu produzieren wie möglich-das erreicht man aber nur dadurch, den rückfluß soweit zu erhöhen- also so wenig destillat ablaufen zu lassen, daß die dampftemperatur nicht über den siedepunkt des gewünschten alkohol-wasser-gemisches steigen zu lassen. d.h. z.b. bei 80 %-vol ca 82°c. wenn die dampftemperatur 92 °c beträgt läuft auch bei der besten anlage nur etwa 55 %-vol ab. wenn nämlich der ruckfluß erhöht wird sinkt die dampftemperatur.
    als persönlichen kommentar möchte ich noch anfügen, daß ich mit einer 90 cm kollonne auf 92 %-vol komme ;-)


    thomas, bayern
    26.Feb.2003 18:40:03


      Vielen Dank für die sehr detaillierte Info. Mit ca. 92°C und etwa 55%vol haben Sie natürlich vollkommen recht, sorry, daß ich das unten nicht so genau erläuert habe, aber dann wäre die Antwort viel zu lang geworden. Interessant wäre noch zu wissen, mit welchem Rücklaufverhältnis Sie arbeiten (wieviel Tropfen bzw. ml pro Minute gehen zurück und wieviel in die Vorlage), welchen Durchmesser die Kolonne hat, ob Sie Füllkörper benutzen und wie groß das Füllvolumen des Kessels ist.

    Eintrag Nr. 492:

    Sehr geehrter Herr Schmickl,

    ich habe mit der bei Ihnen erstandenen Anlage schon einige recht gute Ergebnisse erzielt - leider haben alle meine Brände im Abgang einen leichten Nachlaufgeschmack, obwohl ich bei knapp unter 91° die Nachlauftrenung vornehme.
    Ich habe gestern probeweise das Thermometer in sprudelnd kochendes Wasser gehalten: etwas weniger als 98°. Habe daraufhin normales Leitungswasser destilliert: es tropft bei einer Dampftemperatur von ca. 94,5° !!
    Das Thermometer ragt ca. 2 cm unten aus dem Silikonstopfen raus (Stopfenoberkante ist bei 11°).
    Wo ist das Problem in der Anlage? Bekomme ich den Nachlaufgeschmack durch nochmaliges Destillieren und Nachlauftrenung bei ca. 88° weg?
    Mit bestem Dank für Ihre Hilfe,
    Raimund


    Raimund, Wien
    24.Feb.2003 17:16:42


      1. Sie können bei Ihren Bränden immer bis 91°C gehen, erst danach den Nachlauf abtrennen. In diesem Wert ist bereits genug "Sicherheit" inkludiert.
      2. Wird das Thermometer in kochendes Wasser gehalten, so sind 98°C genau richtig. Wasser kocht bei 100°C nur unter idealen Bedingungen, d.h. auf Meereshöhe und bei genau einer Atmosphäre Luftdruck. Das Thermometer ist in Ordnung.
      3. Wenn das Thermometer beim Destillieren von Wasser nur 94,5°C anzeigt, so haben Sie das Thermometer falsch eingebaut. Drehen Sie den Anlagendeckel um. Stecken Sie das Thermometer hinein. Aus dem Thermometerstutzen darf im Inneren des Deckels nun nur genau die rote Thermometerkugel herausschauen - nicht mehr und nicht weniger. Denn nur genau dann wird das Thermometer ideal vom Dampf umspült. Sie messen eine zu niedrige Temperatur, d.h. Sie haben vermutlich das Thermometer zu hoch, IM Thermometerstutzen stecken.
      4. Wenn Sie den Einbau des Thermometers korrigiert haben, so wird auch Ihr Nachlaufproblem gelöst sein. Sie haben zu niedrige Werte gemessen, dadurch wurde auch der Nachlauf mitdestilliert. Wir destillieren mit diesen Anlagen oft auch ätherische Öle (da befindet sich im Kessel reines Leitungswasser, im Dampfraum die Pflanzenteile). In diesem Fall messen wir genau 98°C. Sie haben also eine Abweichung von 98-94,5=3,5°C. Wenn Sie diese Abweichung berücksichtigen (Nachlaufbeginn: 91-3,5=87,5°C), müssen Sie das Thermometer nicht umbauen.
      Ja, Sie können den Nachlauf durch eine nochmalige Destillation abtrennen.

    Eintrag Nr. 491:

    Hallo Herr Dr. Schmickl,

    ich habe mir für Versuchszwecke zur Destillation von Zuckeransatz in Verbindung mit Turbohefe eine kleine Reflux gebaut. Jetzt stellt sich die Frage ob die Brenntemperatur wie bei einer Multitopfanlage ebenfalls bis 91° gefahren werden darf, oder hier andere Temperaturen Berücksichtigung finden müssen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.


    Wolfgang, Leverkusen
    23.Feb.2003 18:32:45


      "Multitopfanlage" kann sowohl eine einfache Destillationsanlage, als auch eine Reflux sein. Es hängt von der Bauart nach dem Topf und vor dem Kühler ab. Bei Selbstbauanlagen bietet sich natürlich die Möglichkeit an, eine Rückflußkolonne (bzw. Rektifikations- oder Refluxkolonne) als Zwischenstück vorzusehen, welches je nach Bedarf weggelassen (für einfache Destillationen, maximales Aroma) oder eingebaut (zur Herstellung von geschmacksneutralem Alkohol) werden kann.
      91°C Grad sind bei einer Reflux nicht unbedingt (un)gültig, es hängt von der Trennleistung der Kolonne und dem Alkoholgehalt im Kessel ab. Da sich der Temperaturverlauf jedoch stufenförmig ausbildet, sind die drei Fraktionen relativ leicht zu erkennen. Siehe dazu auch Eintrag Nr. 490.

    Eintrag Nr. 490:

    Hallo Herr Dr. Schmickl.

    Habe da mal eine Frage!
    Wie ist es bei einer Rückfluss Brennanlage mit den trennen des Vorlauf bzw. Rücklauf.

    Grüsse kalle


    kalle, Deutschland
    22.Feb.2003 21:20:43


      Bei einer Rückflußdestille (Rektifikation bzw. Reflux) ist der Vorlauf und Nachlauf sehr gut abzutrennen. Im Gegensatz zu einer einfachen Destillation, wo der Temperaturverlauf eine stufenlose Kurve bildet, sind hier Stufen zu bemerken. Je mehr theoretische Böden (bessere Trennleistung) die Kolonne hat, desto schärfer zeichnen sich die Stufen ab. D.h. innerhalb einer Fraktion bleibt die Temperatur lange nahezu konstant, bei den Übergängen steigt die Temperatur rasch an. Somit sind die Fraktionen relativ leicht unterscheidbar. Die Temperatur der "Edelbrand" Stufe hängt von Alkoholgehalt im Kessel und der Trennleistung der Kolonne ab. Allerdings berücksichtigen Sie, daß das Aroma nur relativ schwach bei dieser Art der Destillation mitkommt, so ein Gerät ist zur Herstellung von geschmacklosen Alkohol gedacht.

    Eintrag Nr. 489:

    Hallo Herr Dr. Schmickl,
    entsteht beim vergären von Früchten auch 2-Propanol (Isopropanol), da dieses bei 82,4 Grad verdampft. Wenn ja ist es Gesundheitsschädlich.


    H. Kiese, NRW
    21.Feb.2003 12:04:56


      Wenn Sie sauber arbeiten, d.h. Obst waschen, alles Faule weg usw., zusätzlich einen Gärspund verwenden und Reinzuchthefe, werden bei der Vergärung kaum Nebenprodukte entstehen. Andernfalls kann eine Vielzahlt von Alkoholen (n-Propanol, Butanol etc.) und andere Stoffgruppen entstehen, z.B. auch Buttersäure, Aceton usw. Isopropanol im Speziellen ist mir bei der Vergärung von Früchten jedoch nicht bekannt.

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