Fachfragen zum Schnapsbrennen



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    Eintrag Nr. 228:

    Hi, Kennt jemand eigentlich die Rechtslage für Hobbybrenner in Deutschland, die nicht in einem Bezirk mit Abfindungsbrennereien wohnen? Kleinanlagen werden hier ja frei verkauft. Kann man auch größere Anlagen betereiben / anmelden? Wie sind hier die Grenzen? Vielen Dank und Gruß - Ulf

    Brennman, Deutschland
    03.Jan.2002 11:38:56


      In Deutschland ist seit neustem das Brennen mit einer Brennanlage, die ein Kesselvolumen von 0,5 Liter hat, anmeldefrei (für andere EU-Länder gelten andere Kesselgrößen). Mit dieser können Sie gesetzestreu arbeiten. Für größere Anlagen gilt: wenn man kein Brennrecht hat (dieses ist beim zuständigen Zollamt zu beantragen), so darf man auch nicht Abfindungsbrennen. Es bleibt nur die Möglichkeit, die Maische zu einem Brenner zu bringen.
      Ausnahme: mit einer Verschlußbrennerei darf jeder angemeldet brennen, allerdings sind diese Geräte so teuer, daß sich nur eine Firma dies leisten kann...

    Eintrag Nr. 227:

    Bitte kann mir jemand dringend die Schnapsverdünnungsformel mailen??
    Ich muß 70 l. Destilat 65% auf 45% bringen (mit destilliertem Wasser)

    Gruß und vielen Dank


    Robert Janek, Italien Südtirol
    30.Dez.2001 20:06:51


      Die Verdünnungsformel berücksichtigt zwar nicht die Kontraktion, ist für unsere Zwecke jedoch vollkommen ausreichend:

      W = M*(A-B)/B
      W...Menge des Wassers für die Verdünnung (in ml oder l)
      M...Menge des zu verdünnenden Destillates (in ml oder l)
      A...Alkoholgehalt des unverdünnten Destillates (in %vol)
      B...Alkoholgehalt nach der Verdünnung (in %vol)

      Ihr Beispiel ergibt also:
      70*(65-45)/45 = 31,1 l dest. Wasser muß zugegeben werden.

    Eintrag Nr. 226:

    S.g. Herr Schmickl!

    Bin von den Infos auf Ihrer Homepage begeistert. Habe soeben als Weihnachtsgeschenk eine 2-Liter-Kleinanlage bekommen incl. Buch von Josef Pischl (ist aber nur für Großanlagen).
    Da meine Anlage keine Dampftemperaturmessung hat, habe ich keine Ahnung, wie ich den Vor- und Nachlauf wegbringen soll. Pischl nennt die Geschmacks-Methode. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei so kleinen Mengen geht.
    Ich würde meine Anlage gerne mit einem Thermometer nachrüsten, weiters könnte ich auch einen Aromakorb gut gebrauchen. Der Kessel hat einen Durchmesser von Mitte 16cm.
    Kann ich diese Teile bei Ihnen beziehen? Und was halten Sie von der Geschmacks-Methode?
    MfG
    Peter.Z


    Peter Z, Österreich
    27.Dez.2001 21:53:26


      Es freut mich, daß Ihnen die homepage gefällt. Ich würde Ihnen auf alle Fälle empfehlen, ein Thermometer einzubauen, nur so ist eine präzise Trennung von Vor- und Nachlauf möglich. Natürlich kann man den Vorlauf auch auf Grund des Geschmackes abtrennen, das hat aber folgende Nachteile:
      - es ist sehr viel Brennerfahrung notwendig, um nur durch den Geschmack eine gute Vorlaufabtrennung zu erzielen. Außerden wird bei einer Destillation von Wein der Geruch vom Schwefel, der in jedem Wein enthalten ist, sehr oft mit dem Vorlauf verwechselt. Der Schwefel kann aber problemlos ausgetrieben werden.
      - wenn Sie nur mit dem Geschmack arbeiten, so kosten Sie ja am Ende der Anlage, wo das Destillat herauskommt. Für eine präzise Trennung ist hier die Zeitverzögerung aber viel zu groß und Sie verlieren eine Menge Edelbrand. Das Dampfthermometer befindet sich im Dampfraum, also vorne in der Anlage, wodurch dieses Problem nie auftritt.
      - das 'Filetstück' des Edelbrandes kommt direkt nach dem Vorlauf, d.h wenn Sie 'zur Sicherheit' mehr als den Vorlauf wegnehmen, schütten Sie das Beste weg.
      - Wenn Sie den Nachlauf ohne Thermometer abtrennen wollen, treten beim Verdünnen meistens Probleme mit Trübungen auf.
      Thermometer, Silikonstopfen und Aromakorb sind bei uns auch separat erhältlich, wenn Sie daran Interesse haben, schicken Sie uns bitte eine e-Mail.

    Eintrag Nr. 225:

    Ist es in Deutschland erlaubt Angesetzten zu brennen ? Auch in Brennanlagen >1Liter?
    Man brennt stellt doch keinen Alkohol her , der ist doch schon gekauft ?


    Peter, Deutschland
    20.Dez.2001 18:57:37


      Angesetzten dürfen Sie brennen (=reinigen, in der offiziellen Amtssprache), müssen die Reinigung aber beim Zollamt melden, auch wenn dann hierfür keine Steuern mehr zu bezahlen sind. Dies ist allerdings nur mit den kleinen Geräten erlaubt oder mit größeren, beim Zoll registrierten, Anlagen.

    Eintrag Nr. 224:

    Sehr geehrter Herr Schmickl,
    ich habe mit Interesse Ihre Bücher über Schnapsbrennen und Weinzubereitung gelesen.
    Aus grundsätzlicher Neugierde ein paar Fragen :
    (A) Aus meiner Chemiestudienzeit habe ich u.a. noch einen 10 L Heizpilz mit Borosilikatkolben und div. Kühlern(Claisenbrücke, Vigrieuxkolonne). Kann man in Glasgeräten grundsätzlich Schnaps oder besser auch Geiste (Melissengeist u.a. ) erfolgreich brennen !? (B) Was hat es mit dem viel beschworenen Kupferkessel auf sich !? Kupfer soll ja katalytisch wirken und div. schädliche Stoffe zersetzen bzw. Sulfide und Peroxide binden. Könnte man den Kupferkessel durch Zugabe von Kupferfolie in Glasapparaturen simulieren ?
    (C) Aus dem Studium kenne ich die Methode der Wasserdampfdestillation. Dabei werden durch Einleiten schwach überhitzten Wasserdampfes in eine Vorlage äth. Öle oder empfindliche hoch siedende Naturstoffe schonend abdestilliert. Kann diese Methode zur Bereitung hochwertiger Geiste oder auch von medizinisch nutzbaren Destillaten (Einreibungen) genutzt werden !? (D) Kann man trübe Kräuterextrakte brennen / destillieren, z.B. den myrrhehaltigen Schwedenkräuterextrakt od. entstehen dabei ungenießbare o. gar schädliche Destillate !?
    Ihr Seminarangebot habe ich im Auge. Vielleicht sieht man sich. Ich halte mich streng an gesetzliche Vorschriften. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen oder wäre dankbar über eventuelle weiterführende Literaturhinweise. Mit freundlichen Grüßen U. B.


    B ULRICH, Österreich Deutschland
    19.Dez.2001 23:14:21


      A): Ja, natürlich können Sie in Glasgeräten Geiste, Maischen und Angesetzte brennen.
      B): Kupfer hat eine katalytische Wirkung, das ist richtig. Aber wenn die Brennanlage bzw. der Dom aus Kupfer sind, dann kommt nur ein sehr geringer Anteil des Dampfes mit dem Kupfer in Berührung. Aus diesem Grunde hat eine Anlage aus Kupfer keinen Vorteil. Um die katalytische Wirkung zu merken, müßten Sie schon einen Menge Kupferspäne in den Dampfraum geben.
      C): Ja, aber es geht einfacher. Sie brauchen keinen Dampf einleiten. Geben Sie in den Kolben geschmacklosen Alkohol, in den Dampfraum Kräuter, so entsteht ein Kräutergeist. Für ätherische Öle ersetzen Sie den Alkohol durch Wasser und geben wiederum in den Dampfraum die gewünschte Substanz. Wichtig dabei ist, daß die Substanzen nicht mit der Flüssigkeit in Berührung kommen, sich also nur im Dampfraum befinden. Bei der Wasserdampdestillation wird bis auf einen kleinen Rest (damit der Kolben nicht anbrennt) das gesamte Wasser überdestilliert. Anschließend schwimmt auf dem destillierten Wasser das ätherische Öl und kann mit einer Pipette, Spritze o.ä. gesammelt werden. Dieses Öl ist im Gegensatz zu den meisten käuflichen Produkten übrigens hochrein, ohne jegliche chemischen Zusätze.
      D): Wenn der Extrakt vorher genießbar war, so können Sie ihn Destillieren. Sind aber voher schon ungebießbare Substanzen enthalten, empfiehlt es sich nicht. Insbesondere, wenn diese Stoffe flüchtig sind, da die beim Destillieren natürlich auch ins Destillat gelangen.

    Eintrag Nr. 223:

    Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl,

    die bestellte Brennanlage war noch schneller bei mir, als gedacht. Vielen Dank! So konnte ich bereits am Freitagabend einen Versuch wagen: Ich habe einfach 3 l kräftigen italienischen Rotwein vom Faß (10 Vol. %) destilliert. Bei 68 °C kam der erste Tropfen. Das Destillat roch, wie in Ihrem Handbuch beschrieben, bis ca. 82 °C nach Klebstoff, also Vorlauf. Insgesamt waren es ca. 50 ml Vorlauf, was mir etwas viel erschien. Vielleicht sind dem Weinbauer etwas viele Stengel in die Maische geraten. Danach habe ich bis ca. 90,5 °C weiterdestilliert und 0,5 l Destillat erhalten. Diese 0,5 l hatten einen Alkoholgehalt von 45 Vol. %. Beim Destillieren hatte ich zwar bemerkt, daß das Destillat immer schwächer wurde, aber es hatte nicht im geringsten übel geschmeckt, und so habe ich es eben bis 90,5 °C dazu genommen. Das ganze habe ich dann auf 39 Vol. % herunterverdünnt und jetzt habe ich einen wirklich leckeren Weinbrand. Das war mein erster Versuch, weitere werden folgen. Entsprechen die von mir ermittelten Werte dem, was zu erwarten gewesen wäre?

    Gruß

    Andreas Strangfeld

    PS: Wir freuen uns schon auf das Seminar im Januar!


    Andreas Strangfeld, Deutschland
    18.Dez.2001 17:48:31


      Es freut mich, daß alles ordnungsgemäß angekommen ist! Wenn Sie Wein destillieren, dann sollte es eigentlich keinen Vorlauf geben. Vorlauf entsteht bereits beim Vergären und nicht durch das Destillieren. D.h. es müßte sich demnach im Wein Vorlauf befinden, was aber bei gekauften Weinen unwahrscheinlich auf Grund der strengen Lebensmittelgesetze ist. Ich denke eher, daß Sie den Geruch auf Grund des Schwefegehaltes im Wein mit Vorlauf verwechselt haben. Wein ist so gut wie immer geschwefelt, beim Destillieren riechen die ersten Mengen sehr stechend scharf und unangenehm, auf Grund des Schwefels eben. Wie gesagt bei gekauften Wein darf kein Vorlauf drinnen sein! Wenn Sie das Destillat verdünnen, dann rühren Sie mit einem Schneebesen oder besser Stabmixer kräftig ca. 2-3 Minuten Luft ein, so wird der Schwefel ausgetrieben und der unangenehme Geruch verschwindet.
      Richtwerte für das Destillieren von Wein: es gibt keinen Vorlauf, Sie können bis 91°C destillieren. Der Alkoholgehalt liegt je nach Weinstärke ca. bei 45-50%vol.
      Wir sehen uns dann im Januar!

    Eintrag Nr. 222:

    Hi, kennt jemand ein Rezept für den Ansatz von Zuckerrüben? Ich frage mich, ob ich diese vor dem Ansätzen kochen muß. Eigentlich enthalten sie ja schon im rohzustand den Zucker. Die Frage ist nur, wie Dieser herausgelöst werden kann. Verflüssiger? Danke und Gruß - Roland

    Roland Zitzke, Deutschland
    13.Dez.2001 07:52:04


      Zuckerrüben können Sie direkt vergären ohne vorher zu kochen. Rübenzucker besteht ebenso wie Rohrzucker aus Saccharose (gleich dem bekannten Haushaltszucker). Die Rüben gut reinigen und ganz klein zerhexeln, so klein als möglich. Mit Wasser eine Art Brei anrühren und auf alle Fälle Verflüssiger hinzugeben. Hier sollten Sie die 3-4 fache Menge als bei 'normalen' Früchten verwenden. Hefe und richtigen pH-Wert nicht vergessen.
      Gutes Gelingen!

    Eintrag Nr. 221:

    Sehr geehrter Herr Dr. Schmickl,
    ich bedanke mich für die prompte Lieferung meiner Bestellung.Ich möchte baldmöglichst in medias res gehen und habe einen Zuckeransatz mit Turbohefe vorbereitet. Zum Brennvorgang bestehen allerdings noch einige Unsicherheiten.Meines Erachtens dürfte es so gut wie keinen Vorlauf geben. Richtig? Bei welchem Alkoholgehalt bzw. welcher Dampftemperatur setzt der Nachlauf ein ?
    ann ich auf ein zweimaliges Brennen verzichten? Ich meine ja.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir mit Ihrer Erfahrung behilflich sein könnten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang


    Wolfgang, Deutschland
    12.Dez.2001 00:10:56


      Es ist richtig, daß in einem Wasser-Zuckeransatz so gut wie kein Vorlauf vorhanden ist, unter der Bedingung, daß Sie die Gärung mit einem Gärspund durchgeführt haben. Destillieren Sie bis 91°C, danach kommt der Nachlauf. Wenn Sie den wäßrigen Ansatz mit Turbohefe und der entsprechenden Zuckermenge bearbeitet haben, sollten Sie doch auf ca. 20%vol kommen. Dann brauchen Sie nur einmal zu destillieren. Zwei Destillationen sind notwendig, wenn der Alkoholgehalt unter 11%vol liegt.

    Eintrag Nr. 220:

    hallo herr dr. schmickl,

    wollte mich nocheinmal bei ihnen für das sehr interessante, lehrreiche und nette seminar am wochenende (8./9. dezember) bedanken.
    es hat mir wirklich sehr viel spaß gemacht !

    gleichzeitig möchte ich t. aus münchen und
    h. aus kehlheim bitten mir (wie besprochen)
    zu mailen.


    edelbrand, Deutschland
    11.Dez.2001 12:19:53


      Es freut micht, daß Ihnen das Seminar gefallen hat! Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Brennen.

    Eintrag Nr. 219:

    Hallo Herr Dr. Schmickl,

    kann man zur PH-Wert Bestimmung in der Maische auch elektronische Geräte (z.B.: http://www.eurotronik.de/index.htm) benutzen? Diese Geräte sind eigentlich mehr für Aquarien gedacht.


    Moonshiner, Hobbybrennland
    09.Dez.2001 14:57:40


      Zuerst mal ein schönes Hallo ins Hobbybrennland!
      :-))
      Ja, natürlich kann man auch elektronische Geräte zum pH-Wert- Messen verwenden. Allerdings muß man zur richtigen Benutzung der pH-Elektrode ein halber Chemiker sein. Diese Elektroden sind sehr empfindlich und müssen immer in einer speziellen Lösung (1 molare KCl-Lösung)aufbewahrt werden (diese Lösung ist allerdings nicht gerade billig). Läuft die Eledtrode einmal trocken, so können Sie diese wegwerfen (Elektrode ist recht teuer). Bevor die Elektrode benutzt wird, ist sie immer zu eichen, dafür ist wieder eine spezielle Eichlösung notwendig. Auf Grund dieses hohen Wartungsaufwandes finde ich die pH-Elektroden für das Kontrollieren von Maische nicht geeignet, ganz zu scheigen von den Kosten. PH-Meßstäbchen sind wartungsfrei und von den Kosten her einfach günstiger.

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