Fachfragen zum Schnapsbrennen



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    Eintrag Nr. 276:

    Hallo Herr Dr. Schmickl.
    Habe ihr Buch mit großem Interesse gelesen und befinde mich derzeit im Versuchsstadium. Ich habe drei Fragen.
    1) Ich benutze ein Thermometer welches in einer Heizungsanlage benutzt wird. Dies zeigt mir die Dampftemperatur leider nicht genau an. Kann ich das Themometer auch am Kessel anbringen und so die Temperatur der Kesselfüssigkeit messen und gibt mir das genügend Geanuigkeit?
    2) Welche Thermometer empfehlen sie und wo bekomme ich diese?
    3) Kann man in Prozentzahlen ausdrücken (über den Daumen) wie hoch der Vorlauf mindestens sein sollte, wenn man bei der Maische sauber gearbeitet hat. Voraussetzugn ist natürlich dass der Alkoholgrad der zu brennenden Maische bekannt ist.


    Thomas Schäfer, Deutschland
    18.Mai.2002 21:55:19


      ad 1: Nein, das nützt nichts. Denn auch eine ungenaue Kesseltemperatur kann Ihnen beim Abtrennen von Vorlauf und Nachlauf nicht wirklich helfen. Außerdem ist die Kesseltemperatur die falsche Größe, man kann nur die Dampftemperatur verwenden.
      ad 2: Zum Messen der Dampftemperatur eignen sich am besten Laborthermometer mit einem Meßbereich von 0-110°C, wobei die Ablesegenauigkeit 0,5°C betragen muß. Sie können dies in Geschäften für Laborbedarf beziehen (oder bei uns).
      ad 3: Bei 1,5 Liter Maischemenge (20%vol) sollte man ca. 20 Tropfen als Vorlauf abnehmen, daß genügt bei sauberer Arbeitsweise. Eine Berechnung hierfür ist nicht sinnvoll. Besser: beobachten Sie die Dampftemperatur, solange sie sich rasch bewegt, kommt Vorlauf heraus. Bleibt sie annähernd konstant, handelt es sich um Edelbrand.

    Eintrag Nr. 275:

    Hallo Herr Schmickl

    Ich bin per Zufall auf Ihre wirklich sehr interessante und gelungene Website gestossen.

    Da ich Neuling auf diesem Gebiete bin, habe ich dazu auch gleich ein paar Fragen.

    1. Ich habe vor 4 Wochen ca 25Liter Apfel/Birnenmaische mit einer normalen Weinhefe angesetzt. Die Maische hat nun bei Gärungsende zwischen 12 und 13% Vol. Alkoholgehalt. Kann ich die Maische jetzt in einem Brennvorgang destillieren oder muss ich zweimal brennen?

    2. Ich besitze eine Brennanlage mit 2 Litern Kesselinhalt und muss meine Anlage daher etliche male, d.h. im Abstand von mehreren Tagen, in Betrieb nehmen um die ganzen 25 Liter Maische zu destillieren. Wie lange kann ich meine Maische ohne Schaden zu nehmen aufbewahren?

    3. Mit welcher Menge Edelbrand und Alkoholgehalt kann ich nach dem destillieren rechnen?

    Gruss Hansi


    Hansi, Australien
    18.Mai.2002 13:26:27


      Danke für das Lob aus Australien!
      ad 1: 12%vol reichen gerade aus, daß Sie mit nur einem Brennvorgang auskommen. Das Destillat wird ca. 48%vol erreichen, somit brauchen Sie nur sehr wenig zu verdünnen.
      ad 2: Lagern Sie die Maische kühl und immer gut verschlossen, dann sollte die Maische doch 4-6 Wochen problemlos halten.
      ad 3: Wenn Sie 25 Liter 12%vol Maische destillieren, erhalten Sie in Summe ca. 5-5,5 Liter 45%vol Schnaps. Die Konzentration nach der Destillation wird ca. 48%vol haben.

    Eintrag Nr. 274:

    Hallo Hr. Dr. Schmickl !

    Bei den Glasballon in 5/10/15 l erhält man wenn man sie kauft eine Kunststoffkappe dazu.
    Reicht diese aus für den Verschluß wenn man das
    Destilat lagert, oder ist es besser diese durch einen Korken zu ersetzen.
    Weiters bringt es etwas, wenn man den Nachbrand sammelt, ihn mit Aktivkohle ansetzt, und dann nocheinmal destiliert, oder sollte man ihn entsorgen.
    Danke im Voraus für Ihre Antwort.


    Manfred, Österreich
    15.Mai.2002 06:52:24


      Die Kunstsoffkappe reicht für den Verschluß aus. Solange der hochprozentige Alkohol mit dem Kunststoff nicht direkt in Kontakt kommt - wie beispielsweise bei Kunststoffflaschen - ist das vollkommen in Ordnung.
      Sie können den Nachbrand (= Nachlauf) immer sammeln und mit Aktivkohle versetzen. Nach einer erneuten Destillation haben Sie geschmacklosen Alkohol.

    Eintrag Nr. 273:

    HALLO
    EINE FRAGE,

    WIE KAN MAN TESTEN OP METHANOL IM DESTILLAT IST?


    PETER, Deutschland
    14.Mai.2002 21:23:51


      Der Methanolnachweis ist sehr kompliziert: Methanol ergibt mit Borsäure eine grüne Flamme, das ist der klassische Nachweis. Jedoch ist auch die Reaktion von Ethanol mit Borsäure die gleiche, Blindproben können hier nicht helfen. Weitere Varinate: Methanol wird mit KMnO4 zu Formaldehyd umgesetzt. Da dieser Vorgang nur noch im Labor durchführbar ist, dann kann man gleich eine GC-Analyse machen.

      Interessiert Sie wirklich der Nachweis von Methanol oder meinen Sie den Vorlauf? Dieser besteht nur zu einem geringen Teil aus Methanol, überwiegend aus Acetaldehyd. Dieses kann einfach mit dem Vorlaufabtrennungstest (siehe http://www.schnaps.co.at/geraete.htm) nachgewiesen oder mit einem genauen Thermometer (in der Anlage an der richtigen Stelle montiert!) und/oder Riechproben beim Destillieren abgetrennt werden.
      Methanol ensteht während der Destillation aus holzigen Bestandteilen der Maische (Stengel, Blätter, Kerne...), d.h. es ist durch sauberes Arbeiten beim Einmaischen einfach zu vermeiden. Vorlauf ensteht durch Fehlgärungen, d.h. statt der Hefe waren andere Mikroorganismen am Werk und haben den Fruchtzucker zu anderen Substanzen als Ethanol abgebaut, somit noch sauberer arbeiten (alle fauligen Stellen im Obst enthalten unerwünschte Mikroorganismen!) und Reinzuchthefe zugeben.

    Eintrag Nr. 272:

    Hallo Herr Schmickl,

    ist destilliertes Wasser Din 43530 zum verdünnen
    von hochprozentigen geeignet ?
    Auf dem Kanister steht: Don`t drink !

    Gruß Robert


    Robert, Deutschland
    12.Mai.2002 21:38:26


      Ja, dieses Wasser ist dazu geeignet. Prinzipiell brauchen Sie jedoch zum Verdünnen nicht so hoch gereinigtes Wasser (= sehr teuer), es genügt das sogenannte 'destillierte' Wasser aus dem Baumarkt (welches in Wirklichkeit nur demineralisiert ist), das u.a. auch für Bügeleisen und Batterien geeignet ist. Genau die (Kalk-)Salze/Mineralien sind es nämlich, die im hochprozentigen Alkohol unlöslich sind und daher wie Schneeflocken ausfallen.
      Bezüglich des 'don't drink'-Vermerkes: trinkt man aus Durst destilliertes Wasser in GROSSEN MENGEN, so ist dies für den Körper schädlich, da in diesem keinerlei Salze bzw. Minerale enthalten sind. Nicht nur, daß keine Salze und Mineralien dem Körper zugeführt werden, dadurch werden diese dem Körper sogar entzogen. Daher sollte man dieses Wasser nicht zum Trinken gegen Flüssigkeitsmangel (also gegen Durst) verwenden.

    Eintrag Nr. 271:

    Hallo Herr Schmickl,
    Mehrere Fragen gehen im Kopfe herum :
    1- In der Destillation von einer Blumenmaische stammt die Wahl der Blumen außer ihrem Aroma aus der Genießbarkeit der Früchte ?
    2- Wenn eine Frucht eßbar ist, ist auch immer ihre Blume essbar ? Wie kann man es wissen ?
    3- Einige Blumen sind an bestimmten Stunden des Tages mehr wohlriechend. Wo werden die Aromen in der Blume gelagert ?
    4- Oder entwickelt die Blume nicht solches Aroma an dieser präzise Zeitpunkt (der also jener der Ernte sein müßte) ?
    Vielen Dank
    Mit freundlichen Grüßen aus Martinique

    Ludwig


    remondiere, Martinique
    12.Mai.2002 18:01:59


      ad 1: Ja, bei der Maische müssen Sie UNBEDINGT darauf achten, daß die Früchte / Blumen genießbar sind. Dies gilt auch, wenn Sie diese ansetzen. Nur giftfreie und genießbare verwenden, denn die eventuellen Gifte in der Maische können bei der Destillation natürlich mitkommen und das wäre gefährlich. Allerdings gibt es gewisse Früchte, die im Rohzustand giftig, aber durch Kochen genießbar werden.

      ad 2: Nein, das kann man nicht sagen. Ich bin leider kein Botaniker aber ich kann mir gut vorstellen, daß es Pflanzen gibt, deren Frucht genießbar ist, die Blüte jedoch nicht. Am besten kaufen Sie sich ein Pflanzenbuch, indem die einzelnen Blüten beschrieben sind. Im Handel gibt es auch Bücher über Pflanzengifte. Hierin wird genau erklärt, welche Pflanze wie giftig ist und welcher Teil der Blume. Ich kenne dies allerdings nur für europäische Pflanzen, in Martinique gibt es aber eine ganz andere Flora. Aber ich bin sicher, daß Sie auch dafür fündig werden können.

      ad 3: Wie gesagt, hierin bin ich kein Spezialist. Aber soweit ich von der Herstellung ätherischer Öle erfahren habe, liegt ein Großteil der Aromen und somit der Öle im Blütenblatt einer Blume, wie z.B. bei den Rosen, Nelken.

      ad 4: Wann die Blume das größte Aroma hat? Ich denke, daß dies zum Zeitpunkt der vollen Blüte der Fall ist. Allerdings werden Rosen und Lavendel für die (ätherische) Öl-Herstellung nur in den frühen Morgenstunden geerntet, um das maximale Aroma zu erhalten.

    Eintrag Nr. 270:

    einen schönen guten Abend an alle versammelten Schnapsbrenner,
    nun hab ich es also auch mal probiert - bzw. mich an die erste Stufe, Alkohol zu erzeugen, rangewagt. Da ich keine Früchte zum maischen habe, wollte ich an die GeisterProduktion ran und mir ganz naiv gedacht, dafür brauche ich ja reinen Alkohol. In freier Variaton des Handbuchs für Schnapsbrenner habe ich 1kg Zucker, 10 Liter Wasser, Zitronensäure, Hefenährsalz und natürlich ein Fläschen leckere Burgunderhefe in einem Glasballon angesetzt. Trotz angenehmer Temperatur, so 20-22° einem pH von 2,5 kommt es zu keiner Gärung, von gelegentlichen Blubbs mal abgesehen.
    Bitte helft mir, was habe ich falsch gemacht?
    Freundliche Grüße dieter


    Dieter Hückel, Deutschland
    06.Mai.2002 22:42:14


      Der pH-Wert von 2,5 ist viel zu niedrig, ideal wäre 3,5. Sie haben zuviel Zitronensäure verwendet. Sie können diesen mit Kalk wieder in die Höhe bringen. Ihre geringe Zuckerzugabe entspricht einem Endalkoholgrad von ca. 5%vol (das ist natürlich sehr wenig), kontrollieren Sie einmal mit dem Vinometer, ob bereits Alkohol entstanden ist.
      Sollte kein Alkohol vorhanden sein, so liegt es ziemlich sicher an der Hefe (Ablaufdatum, Dosierung) bzw. am zu niedrigem pH-Wert. Noch eine Möglichkeit: wie warm war das Wasser, als Sie die Hefe zugesetzt haben? Hatte es mehr als 28°C, so sterben die Hefen ab.

    Eintrag Nr. 269:

    Vielen Dank für Ihre Antwort zum Thema Verdünnen.Nun eine weitere Frage: wir haben mittlerweile einiges an Weinbrand, das uns nicht besonders schmeckt und Nachbrand (aus Apfel), auch aus einem Experiment einen Bierschnaps (was auch nicht gerade ein Highlight ist). Für dies alles haben wir nun von ERBSLÖH das Produkt Granucol GE Aktivkohle-Granulat gakauft und wollen das ganze Zeug geschmacksneutral machen, um allsbald mit frischen Himbeeren einen schönen Angesetzten zu machen - eventuell später einen Geist runterbrennen. Sollen wir das Granulat bis zur Ernte der Früchte (wohl in etwa 6 Wochen) im Brand lassen und dann auf jeden Fall noch einmal brennen? Und wie viel ist wohl richtig für 10 Liter? (Durchschnitt 50%) Oder sollen wir wie auf der Beschreibung das Aktivkohlesegment baldmöglichst abtrennen ? Ist es richtig, dass wir dann einen 50%igen Brand zum Ansetzen nehmen sollten? Übrigens haben wir uns mal Ihr Forum ausdrucken lassen. Bald lohnt es sich, ein neues Buch zu schreiben!!! Gruß aus der Journalistenbranche ;-))

    Siegfried michaelis, Deutschland
    02.Mai.2002 15:21:33


      Mir ist der Produktname nicht bekannt, aber wenn es sich ausdrücklich um Aktivkohle zur Geschmacksreinigung handelt, dann lassen Sie diese solange als möglich - in Ihrem Fall also 6 Wochen - im Alkohol. Dann auf alle Fälle destillieren (Sie können dabei die Kohle drinnen lassen), auf 50%vol verdünnen und die Himbeeren ansetzen. Wir verwenden für 5 Liter Alkohol einen gehäuften Eßlöffel Kohle, ich denke, diese Menge sollte auch für Ihr Kohle passen.
      P.S.: Schreiben gerade am neuen Buch, es sollte im Frühjahr 2003 erscheinen :-))

    Eintrag Nr. 268:

    Hallo einmal wieder. Wir haben bislang destilliertes Wasser zum Verdünnen genommen. Nun erzählt ein Brenner, dass, wenn er für sich etrwas Besonderes machen will, er Wasser von einer Waldquelle nimmt. Das Ergebnis sei frischer. Stimmt das und kann man auch ein stilles Mineralwasser nehmen? Ist dann etwas zu beachten (Nitratgehalt o.ä.)?? Liebe Grüße und Dank im voraus.

    siegfried michaelis, Deutschland
    28.Apr.2002 07:33:23


      Mineralwasser ist schlecht, denn darin sind viele Salze gelöst, die in Alkohol unlöslich sind, daher ausfallen und zu Trübungen führen (es schneit im Schnaps). Quellwasser kann ich mir vorstellen, sofern der Salzgehalt (sehr) gering ist, das ist durchaus möglich.
      Auch die schottischen Malz-Whyskies werden teilweise mit Quellwasser verdünnt, was ihnen einen besonderen Geschmack verleiht. Aber immer darauf achten, daß nicht zuviele Mineralsalze enthalten sind, sonst kommt es zu Trübungen.

    Eintrag Nr. 267:

    hallo liebes Diskussionsforum!
    kann mir jemand sagen, wie groß genau nun eine Brennanlage in Deutschland sein darf, ohne dass sie für den privaten Gebrauch anmeldungspflichtig ist. Bekannt ist mir die Kesselgröße von 0,5 Litern, ich bin mir jedoch nicht sicher, ob dies nur für das Geisten gilt, oder ob man mit einer solchen Anlage auch selber Branntwein (beispielsweise aus Zuckerwasseransatz oder Obstmaische)herstellen darf.
    Danke für Eure Antwort Friedrich Frühling

    PS.: Ein Lob für Herrn Schmickl für seine Arbeit!!


    Friedrich Frühling, Deutschland
    24.Apr.2002 16:56:38


      Danke für das Lob!
      Die anmeldefreie Kesselgröße in Deutschland ist 0,5 Liter Kesselvolumen. Sie können damit Geiste, Maischen usw. brennen. Diese Größe ist frei und an keine weiteren Bedingungen gebunden. Sie dürfen den Alkohol allerdings nur für PRIVATE Zwecke herstellen und nicht verkaufen.

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    Helge Schmickl