Fachfragen zum Schnapsbrennen



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Eintrag Nr. 3407 von 4278:

Hallo Herr Schmickl,
Ich komme mal wieder mit einer speziellen Frage. Beim Brennen von Wein entsteht im Destillat "schwefelige Säure" H2SO3. Gemessener pH Wert ca. 3. Auch durch langanhaltendes einleiten von Luft durch Quirlen konnte ich diesen Wert nicht erhöhen. Nun kam mir die Idee die Säure zu neutralisieren. Ich leitete das Destillat durch einen Filter, in dem sich Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) NaHCO3 befand. Im Filtrat konnte ich danach einen pH Wert von 7 messen und am Boden des Kolben lagerten sich, wie ich vermute, Kristalle aus Natriumsulfit Na2SO3 ab. Diese konnte ich gut mit einem Faltenfilter abfiltern. Das Ergebnis war ein pH neutraler Alkohol. Nun zu meiner Frage: Kann man auf diese Weise die Schwefelige Säure entfernen ohne gesundheitliche Nachteile durch den Genuss des Alkohols zu erwarten. Und? Lässt sich das Natriumsulfit durch das ausfiltern der Krisralle grösstenteils entfernen.
Liebe Grüsse aus Gmunden
Michael Höllering


Michael Höllering, OÖ
06.Jun.2010 17:13:43


    Die Idee ist durchaus nicht schlecht. Das was da im Filtrat ausfällt könnte durchaus Natriumsulfit sein, weil dieses Salz in Wasser leicht und in Ethanol schlecht löslich ist. Giftig ist das Filtrat jedenfalls nicht.
    Anmerkung 1: Im Backpulver ist außer Natriumhydrogencarbonat jedoch auch ein Säuerungsmittel enthalten, sonst käme es nicht zur CO2-Bildung. Je nach Fabrikat ist dies entweder ein saures Salz (Phosphate) oder eine organische Säure wie z.B. Zitronensäure. Es wäre daher empfehlenswert tatsächlich reines NaHCO3 (Natron) zu verwenden (in der Apotheke erhältlich), sonst treiben Sie den Teufel mit dem Beelzebub aus.
    Anmerkung 2: pH 3 ist nur sehr schwach sauer, z.B. hat frisch gepresster Apfelsaft fast diesen Wert. Um Fehlgärungen zu verhindern, wird die Maische auch auf 3 - 3,5 angesäuert (= Säureschutz). Wenn die Maischen richtig behandelt wurden, ist der Brand daher auch nicht neutral. Der Neugier halber haben wir einmal pH bei Obstbränden gemessen (Maischen wurden mit Biogen M angesäuert), Werte waren je nach Obstsorte zwischen 3,5 und 4,5.
    Anmerkung 3: Wir haben eine mit Biogen M angesäuerte Maische (pH ca. 3,2) mit Natronlauge titriert und den Säurewert in Essigsäure umgerechnet, weil der pH-Wert zur Messung des Säuregehalts leider viel zu ungenau ist. Das Ergebnis war 0,3% Essigsäure. Zum Vergleich: handelsüblicher Essig enthält zumindest 5,0% Essigsäure.
    Fazit: Ihr Destillat aus geschwefeltem Wein ist somit dermaßen schwach sauer, dass es diesbezüglich eigentlich nicht weiterbehandelt werden muss.

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